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Wir kommen bei der Jahrhunderthalle in Bochum an und werden von kreischenden Fans begrüßt.
Ich lächle und freue mich äußerlich darüber, aber eigentlich nervt es mich tierisch.
Wir lächeln in die Kameras, werden interviewt und geben anschließend den Fans Autogramme und erfüllen Fotowünsche.

Danach gehen wir in die Show, sind schon viel zu spät dran aber auch hier werden wir wieder durch Kreischen bewundert, geliebt, was auch immer dieses Schreien zum Ausdruck bringen soll.
Ich lasse mich auf meinen Platz sinken und trinke einen kräftigen Schluck Wasser.
Tom mustert mich.
Ob er merkt, wie ausgebrannt ich bin?

Ich schaue ihn nicht an - in meinen Augen kann er lesen, das weiß ich.
Ich überspiele meine Leere einfach mit einem Lachen, wenn die Fans im Saal meinen Namen schreien.
Oder ich tue so, als ob ich nervös wäre in Bezug auf den Preis.
Aber das Gefühl lässt mich nicht los, dass er von alledem etwas merkt.

...

Endlose Minuten später haben wir die Eins Live Krone in unseren Händen und bestaunen diesen Preis auf unseren Plätzen.
Irgendwie sieht die Krone in der Kugel aus, als wäre sie gegen ihren Willen da reingezwängt worden.
Ich fühl mich auch so... Nur, dass ich hierhin wollte.
Ich wollte berühmt sein und Menschen mit meiner Musik erreichen und bewegen.
Aber ich hab mir das nicht so schwierig vorgestellt...

...

Auch bei der After-Show-Party spüre ich Toms Blicke in meinem Nacken.
Ich möchte ihn aber mit meinem Gefühlzustand nicht belasten.
Er könnte es genauso machen wie ich. Seine Gefühle verstecken oder überspielen und ich würds nicht mal merken.
Wir beide können so gut lügen, dass mans nicht merkt.
Aber ich habe das Gefühl immer durchsichtiger zu werden. Mich einfach so aufzulösen.
Ich weiß einfach nicht, wo mir der Kopf steht.

...

Im Hotelzimmer zurück lasse ich mich auf mein Bett fallen und vergrabe den Kopf in meinen Händen.
Was soll ich nur machen? Das muss doch irgendwie weg gehen! Ich lebe meinen Traum. Er ist wahr geworden.
Ich muss das durchhalten. Musik ist mein Leben.

"Sag mir, was los ist..."

Ich schrecke hoch - Tom!

"Erschreck mich doch nicht so, spinnst du?!", gifte ich ihn an.
"Bill, irgendwas stimmt doch nicht... Mir kannst´ es doch sagen!", sagt er und blickt mich mit seinen braunen Augen an.
"Ich hab doch gesagt, dass ich einfach nur müde bin, Tom. Brauchst dir keine Sorgen machen, ja?!"

Ich stehe auf und will ins Bad gehen um mich fertig zu machen, aber mein Zwilling packt mich am Arm.
Seine plötzliche Nähe macht mich irgendwie nervös.
Ich will nicht durchschaut werden.
Ich will mir nicht eingestehen, dass ich nicht mehr kann.
Will mir nicht eingestehen, dass ich eine Pause brauche.

Toms Augen sind gerichtet auf meine und ich muss schwer schlucken.
Er durchschaut mich, ich weiß es.
Ich senke meinen Blick und reiße mich von meinem Zwilling los.
Renne ins Bad und schließe ab.
Tränen laufen über meine Wangen.

"Bill, man, mach doch auf!"
"Geh weg!", brülle ich durch die Tür.
"Bill, das hilft dir doch jetzt auch nich weiter!"

Es ist mir egal.
Ich will allein sein. Ich will allein sein. Ich will allein sein.

Ich kauere auf dem kalten Fliesenboden und weine.
Ich kann nicht mehr.
Ich kann nicht mehr.
Ich kann nicht...

Tom hämmert gegen die Tür.
Sturkopf! Kann nicht locker lassen!

Ich rutsche am Boden zur Tür und drehe den Schlüssel richtig.
Kurz darauf stürmt Tom ins Bad und kniet sich zu mir runter.
Nimmt meinen Kopf in seine Hände und sieht mich an.

"Was ist nur passiert?"
"Ich kann nicht mehr..."

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