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"Was ist nur passiert?"
"Ich kann nicht mehr..."

Tom sieht mich irritiert an.
Er zieht seine Hände von meinem Gesicht zurück und ich fühl mich mit einem Schlag allein und einsam.
Versteht er denn nicht? Versteht er denn nicht, dass ich mal wieder Zeit für mich allein brauche, dass ich einfach nur nach Hause will?!

Ich senke meinen Kopf und wieder weine ich unzählige Tränen.
Tom rutscht auf seinen Knien näher zu mir heran.
Er hebt meinen Kopf mit einem Finger an und ich sehe in seine Augen. Sie sind so... sanft braun. Voller Gefühl...

"Red dir das nicht ein, Bill... Du bist stark, sonst hättest du das alles hier schon längst nicht mehr geschafft..."

Mir laufen wieder Tränen über die Wangen.
Hab ich mir das wirklich nur eingebildet? Nur eingeredet? Hab ich mich in dem Gedanken nicht mehr zu können einfach nur festgerannt?
Tom hat vielleicht Recht.
Tom hat eigentlich immer Recht.... oder?!

"Danke...", sage ich mit einem schwachen Lächeln.
Er zieht mich zu sich und umschließt mich mit seinen Armen, die mir auf einmal so stark vorkommen, dass ich mich völlig fallen lassen kann.
"Danke...", wiederhole ich mich erneut und vergrabe meinen Kopf in Toms Shirt.

Er streichelt sanft über meinen Rücken und nach einer Weile rafft er sich auf und zieht mich mit hoch.
Ich lächle meinen Zwilling an und wisch mir die Tränchen weg.
Ist doch alles halb so schlimm, Bill. Hast dir das echt nur eingeredet. Ganz sicher. Du bist stark.
Ich bin stark.
Ich schaffe das.
Ich kann das.
Ich bin stark.

Tom nimmt meine Hand und geht mit mir aus dem Badezimmer.
Er nimmt mein Handy und drückt es mir in die Hand.
Ich schaue ihn fragend an.

"Red doch einfach mal mit Mama. Das hat dir in Krisen-Situationen doch schon immer geholfen, hm?!"

Tom ist echt genial.
Dankend lächle ich ihn noch einmal an und dann verlässt er das Zimmer.
Schließt die Tür leise hinter sich und ich wähle Mama´s Nummer.

...

Mit einem Lächeln verlass ich mein Hotelzimmer und klopfe an die Tür von Toms.
Nach kurzem Warten wird mir die Tür geöffnet, aber Tom sieht mich nicht an, sondern marschiert zurück zu seinem Bett und lässt sich hinauf fallen...
Irgendwas stimmt doch nicht.
Wieso geht es mir wieder gut und ihm schlecht?

"Stör-stör ich dich vielleicht?"

Nach meiner Frage verändert sich seine Miene vollkommen und er lächelt mich an.
Was versteckst du, Tom?!

"Nein. Ist schon okay. Hast du mit Mom geredet?"
"Ja, hab ich. Sie freut sich schon, wenn wir bald nach Hause kommen..."
"Du dich auch, hm?!"
"Ja, irgendwie schon. Ich bin ein bisschen..."
"...erschöpft?"
"Ja, genau. Du auch?"
"Nee, nicht sonderlich..."

Tom konnte schon immer besser mit Kritik oder schwierigen Situationen fertig werden...
Mein Zwilling ist irgendwie stärker als ich, oder er kann es so gut verstecken, dass ich´s noch nicht einmal merke.

"Willst du dich nicht setzen?", fragt er mit hochgezogener Augenbraue.
"Weiß nicht...", antworte ich ehrlich.
"Was´n nur mit dir los? Bist voll nervös, Junge!"

Ich hab gar nicht gemerkt, dass ich an meinem T-Shirt rumfummel... So schnell kanns gehen, wenn man sich Gedanken macht.
Ich schüttel kurz den Kopf und setz mich dann zu Tom aufs Bett.
Ich bemerke, wie er mich mustert und beobachtet. Jetzt treffen sich unsere Blicke, aber mein Bruder schaut plötzlich wieder weg.
Was ist bloß los mit ihm?

Er rückt näher zu mir. Immer ein kleines Stückchen und schließt seine Arme von hinten um meinen Körper.
Tom strahlt unheimlich viel Wärme und Geborgenheit aus.
Viele Mädchen erkennen das nicht, aber Tom ist im Grunde nicht so, wie er sich gibt.
Ehrlich nicht.
Er ist so liebevoll, wohlwollend... und all die schlechteren Charakterzüge interessieren mich nicht, weil sie einfach nicht bedeutend sind.

Vorsichtig streichelt er über meinen Bauch.
Ich schmiege mich an ihn.
Es fühlt sich an wie ein Stückchen zu Hause.
Ich weiß nicht ob man das verstehen kann, aber ist nun einmal so.

"Ich hab dich lieb, Bill", sagt er mit leiser Stimme.
"Ich dich auch..."

Sein Streicheln wird immer bestimmter. Es fühlt sich schön an...
Aber dann lässt er von mir ab. Was hat er nur?
Sowas hat uns noch nie gestört. Wir sind doch schließlich Brüder.

"Wir sollten mal nach den anderen schauen. Sonst machen die Party ohne uns in der Lobby."
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