hmf
Tom und ich haben die darauf folgenden Tage nicht mehr als das Nötigste miteinander geredet.
Ich habe so ein schlechtes Gewissen, immerhin habe ich ihn geküsst.
Was, wenn er sich jetzt abwendet von mir? Was, wenn er denkt, dass ich ihn liebe?
Ich liebe ihn ja nicht.
Ich brauchte das einfach. Vielleicht hatte ich Angst, dass ich verlernen würde, wie man küsst. Ich weiß nicht, was mich zu diesem Kuss getrieben hat. Ich wollte es einfach. Ich hab es gefühlt. Und ich habe es genossen.
Aber inzwischen bereue ich es.
Ich will nicht, dass es so angespannt zwischen Tom und mir ist.
Das macht doch nur alles kaputt. Vielleicht sollte ich mich entschuldigen?

Ich will grade zu ihm gehen, da öffnet sich seine Tür und Tom guckt mich mit seinen braunen Augen an.
Er bleibt stehen und sieht erschrocken aus.

"Tom... also ich...", beginne ich. Tom weicht meinem Blick aus.
"Du, ich wollt noch was besorgen gehen, ja... Lass uns später reden."

Und dann drängt er sich an mir vorbei und geht. Knallt zudem noch die Tür.
Dann steckt Gustav den Kopf durch seine Tür raus.

"Was geht´n bei euch?"
"Äh... nichts."
"Ja, das merkt man."
"Ich gehe jetzt shoppen, wir sehen uns!", weiche ich aus und schnappe mir meine sieben Sachen und verschwinde ebenfalls durch die Tür.

Mit Tom ging´s mir gut und jetzt?
Weine ich unter meiner Sonnenbrille, verschränke meine Arme vor meinem Körper und gehe durch eine Einkaufsstraße in Hamburg.

Ich biege um die nächste Ecke und höre ein Aufschreien einer Mädchengruppe. Ich drehe mich schnell um und gehe schnell in einen Taschenladen.
Auf Fans habe ich jetzt gar keine Lust.
Schnell wisch ich mir die Tränen weg, falls sie mir doch gefolgt sein sollen.
Und dann sehe ich auch schon, wie die Tür aufgeht und drei Mädchen vor mir stehen.

Sie strahlen mich an und ich kann nicht anders und lächle ihnen zu.

"Willst du dir ne Tasche kaufen, Bill?"
"Hm.. ich guck mich nur ein bisschen um und ihr?"
"Och, wir waren schon shoppen!"

Ich mustere ihre Taschen und erkenne das Logo von H&M.
Dann lächle ich sie erneut an.

"Wir wollen dich ja nicht stören oder so... aber kriegen wir vielleicht ein Autogramm?"
"Klar. Gerne doch."

Ich grinse und gebe reichlich Autogramme. Auf die Jeans, auf die Taschen und dann noch auf Blöcke...
Dann gehe ich ohne eine Tasche zu kaufen aus dem Laden.

Und bemerke, wie mich die Mädchengruppe verfolgt.
Egal wohin ich gehe, ich höre Gekicher und Schritte und es scheint in meinem Gedächtnis alles dreimal so laut zu schallen und ich kriege langsam Panik, weil diese Geräusche von mir Besitz ergreifen und ich..
Ich beginne schneller zu gehen, beinahe schon zu rennen.
Warum können die mich nicht in Ruhe lassen?
Wieso kann ich nicht alleine in Ruhe shoppen gehen?

Ich laufe, weil sich in meinem Innern alles so verkrampft, mein Gesicht wird mit Tränen überschüttet, ich habe Angst, mich umzudrehen und in die Gesichter der drei Mädchen zu sehen. Ich will nach Hause. Ich will nur noch nach Hause. Zu meiner Mutter, zu Tom, zu einer Person, bei der ich mich sicher fühle.
Und dann höre ich immer wieder meinen Namen, den die Mädchen kreischen und ich laufe und laufe.
Ich will das nicht. Ich will nicht kaputt gehen. Ich will das einfach nicht.
Aber es ist so dämonisch, ich höre alles durcheinander, das Gekicher, das Geschrei, die Schritte und alles... durcheinander.

Zitternd führe ich den Schlüssel zum Schlos, schlucke schwer drehe mich vorsichtig um. Ich dachte, ich werde jetzt von Fans belagert, aufgefressen und zerrissen, aber...
...da ist keiner.
Ich schüttel den Kopf und schaue nochmal hin und dann sehe ich tausende von Mädchen auf mich zu laufen.
Scheiße. Schnell, Bill, mach schneller.

Ich öffne die Tür, renne die Treppen hoch zur Wohnung, öffne diese und renne in mein Zimmer, knalle die Tür zu und setze mich immer noch heulend auf mein Bett.
Halte die Ohren zu.
Will sie nicht mehr hören, diese Stimmen. Es ist so schrecklich laut und und und...

"Bill!", höre ich jemanden schreien.

Ich kneife meine Augen noch fester zu und fuchtel mit meinen Armen um mich.

"Verschwindet! Verschwindet! Ich will euch nich sehen, lasst mich in Ruhe! Verschwindet!", kreische ich mit brüchiger Stimme.

Plötzlich spüre ich das warme Gefühl von mir vertrauten Händen, wie sie meine berühren und sie von meinen Augen wegziehen.
Ich öffne langsam die Augen und sehe in die braunen weichen Augen von Tom.
Er nimmt mich in den Arm und ich kralle mich in sein Shirt und fange an laut zu schluchzen.
Ich sehe immer noch die drei Mädchen vor mir.
Ich höre sie immer noch.
Ich will das nicht!

Tom drückt sich sanft gegen mich und ich lehne mich zurück.
Jetzt liegt er auf mir und wärmt meinen Körper mit seiner Nähe.
Wir sehen uns in die Augen und ich scheine in seinen zu versinken.

"Bitte beschütz mich, Tom", hauche ich mit letzter Kraft.
Gratis bloggen bei
myblog.de