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Ich sitze vorm Fernseher und zappe durch die Kanäle.
Die andren drei Jungs sind einkaufen gegangen. Schließlich brauchen wir ja auch etwas Essbares. Naja, und der Kühlschrank war ziemlich leer.
Ich trau mich ja nicht mehr raus, deswegen sind die Drei gegangen.
Ich weiß auch nicht. Warum bin ich nur geworden? Warum bin ich nicht mehr so stark? Was ist nur passiert?

Ich schalte den Fernseher aus und seufze laut.
Fasse an meine Stirn und fühle mein Blut durch meine Venen fließen.
Hey, ich lebe doch.
Warum fühle ich mich so leer und tot, wenn ich alleine bin? Was ist so schlimm daran, allein zu sein?
Oder verwechsle ich ´allein´ mit ´einsam´...
Ja, wahrscheinlich.
Denn wenn Tom bei mir ist, bin ich nicht allein oder einsam.
Seine Liebe erfüllt mich. Diese Bruderliebe würde ich gegen nichts in dieser Welt eintauschen. Obwohl es schon ein bisschen mehr als normale Bruderliebe ist. Oder doch nicht?
Auf jeden Fall tun wir andere Dinge als normale Brüder, das steht fest.
Und ich hoffe, dass ich mich bald in ein Mädchen verlieben werde, dass ich mich selbst finde und dass sich Tom nicht mehr aufopfern muss um mir Liebe zu schenken.
Ich fühl mich schuldig.
So richtig schuldig.
Was bilde ich mir eigentlich ein Tom so zu benutzen?
Ich bin ja sowas von egoistisch.
Ich benutze ihn und dabei ist er alles, was ich habe.
Er bedeutet mir so viel.
Er ist der einzige Mensch, der mich richtig kennt, der weiß, was ich fühle...
Warum tu ich ihm das also an?

Eine stumme Träne läuft über mein Gesicht.
Ich wische sie mir weg, aber es folgen immer mehr.

Ich bin Schuld...

Ich gehe in mein Zimmer und schließe die Tür, setze mich auf mein Bett und blicke umher.
Schniefe laut und versuch mir weiterhin die vielen Tränen wegzuwischen.

Ich bin Schuld...

Ich ziehe die Knie an meinen Körper, schlinge die Arme um meine Beine und lege den Kopf auf meinen Knien ab.
Wieso bin ich nur so?
wieso fühl ich mich nicht mehr wohl mit dem was ich bin?
Wieso hab ich mich so verändert?
Ich sauge Tom´s ganze Bruderliebe auf und entziehe ihm sozusagen sein Leben.
Ich bin Schuld...

Hoffnungslos und bitterlich heule ich hier in meinem dunklen Zimmer.
Heute Nachmittag fahren Gustav und Georg zurück nach Magdeburg.
Und ich bin dann alleine mit Tom.
Mit meinem Bruder.
Der sich für mich aufopfert, wie kein anderer Mensch.
Ich bin Schuld...
Ich will nicht, dass er sich aufgibt für mich.
Das kann doch nicht gesund sein.
Sich für einen Menschen ganz aufopfern und nichts zurück zu kriegen.
Ich... gebe Tom doch nichts oder?
Immer muss er sich um mich kümmern, mich aufheitern, mir Kraft geben.
Und ich?
Nehme und nehme und nehme und werde immer egoistischer.

Dabei ist er mir doch heilig. Mein Bruder. Mein Zwilling. Mein Ein und Alles.

Ich bin Schuld...

Ich höre wie die Wohnungstür aufgeschlossen wird, renne zu meiner Tür und verschließe diese.
Ich möchte heute echt niemanden sehen.
Damit ich keinen verletzen kann...
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