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2 Tage.
2 Tage sind Gustav und Georg wieder hier bei uns.
2 dämliche Tage.
2 Tage ist es her, dass Tom und ich Sex hatten.
2 verrückte Tage.
Und genau in diesen 2 verfluchten Tagen hat Tom kein Wort mit mir gewechselt.
Ist mir aus dem Weg gegangen.
Hat mir nicht geantwortet.
Hat meine Blicke gemieden.
Hat mich einfach ignoriert.

Und genau deshalb sitz ich hier im Dunklen in meinem Zimmer.
Bin den ganzen Tag nicht aufgestanden.
Habe geweint.
Weil ich mich schuldig fühle ihn ausgenutzt zu haben.
Mir schäbig vorkomme, weil ich von seinen Gefühlen nichts gemerkt habe.
Und mir auf einmal alle Kräfte, die Tom mir geschenkt hat, schwinden.
Und ich fühle mich hilflos... nutzlos und einfach nur überflüssig.
Ich mein, gäbe es mich nicht, dann wäre Tom jetzt nicht unglücklich.
Gäbe es mich nicht, dann wäre Tom nicht ausgenutzt worden...

Gustav und Georg haben natürlich gemerkt, dass etwas bei uns Zwillingen nicht stimmt.
Aber ich schweige und Tom wohl ebenfalls.
Klar, wär auch ziemlich unangenehm, wenn rauskommen würde, dass wir miteinander geschlafen haben.
Den ganzen Tag über klopfen sie bei mir an die Tür, fragen, ob etwas nicht in Ordnung sei.
Aber ich hab nur gemeint, dass sie mich schlafen lassen sollen.
Dabei sind wir doch mitten in den Aufnahmen...
...aber ich fühle mich einfach unendlich leer.
Es tut mir so Leid, was ich Tom angetan habe!
Wirklich!
Hätte ich doch bloss von seinen Gefühlen gewusst...

Wieder laufen mir Tränen übers Gesicht.
Ich fühle mich so schuldig.
Kletter freiwillig zurück in das schwarze Loch, aus dem mich Tom befreit hat.
Halte mir die Hände vors Gesicht um nicht zu laut zu schluchzen.
Ich bin völlig gefangen in meinen Schuldgefühlen.
Tom sagte irgendwann einmal, dass mir rein gar nichts Leid tun muss.
Aber das stimmt nicht!
Es ist doch alles meine Schuld, meine Schuld, allein meine Schuld!
Weil ich so egoistisch bin und...

Mein ganzer Körper zittert und langsam streiche ich gedankenverloren über mein Bett.
Über die Seite, auf der Tom immer lag.
Ich wünsche mir seine Nähe her.
Seine starken Arme, die mich halten.
Seine Küsse.
Und immer mehr Tränen verlassen meine Augen.
Ich hab mir alles kaputt gemacht.
Warum?
Warum straft mich das Schicksal mit so viel Schuld?

Aus verquollenen Augen betrachte ich die Leere und Dunkelheit in meinem Zimmer.
Alles so kalt. So still.
So leer. Ohne Tom.
Ob ich ihn für immer verloren habe?
Der Gedanke daran versetzt mir einen Stich ins Herz, dass ich husten muss.
Ein Leben ohne Tom? Das wäre kein Leben... aber andererseits hatte er ein Leben ohne mich schon verdient.
Dann hätte er niemanden mehr, der ihn so dermaßen verletzen würde...

Ich erhebe mich von meinem Bett, schiele auf den Wecker (er zeigt 00:24Uhr an),gehe zum Schreibtisch und fasse nach einem Blatt, tapse leise aus meinem Zimmer.
In der Wohnung ist alles still.
Ich atme tief durch, gehe die paar Stufen runter, die zum Studio führen.

Ich setze mich aufs Sofa.
Summe die Melodie vor mich hin.
Den Text habe ich in den 2 verfuckten Tagen vollendet...

Ich bin hier irgendwo gelandet
Kann nicht mehr sagen, wer ich bin
hab die Erinnerung verloren
Die Bilder geben keinen Sinn
Bring mich zurück, bring mich nach Haus
Ich schaff´s nicht allein hier raus

Komm und hilf mir fliegen
Leih mir deine Flügel
Ich tausch sie gegen die Welt
Gegen alles, was mich hält
Ich tausch sie heute Nacht
Gegen alles, was ich hab

Erzähl mir alle Lügen
Mach es so, dass ich es glaub
Sonst krieg ich keine Luft mehr
Und diese Stille macht mich taub
Nur graue Mauern und kein Licht
Alles hier ist ohne mich

Komm und hilf mir fliegen
Leih mir deine Flügel
Ich tausch sie gegen die Welt
Gegen alles, was mich hält
Ich tausch sie heute Nacht

Ich find mich hier nicht wieder
Erkenn mich selbst nicht mehr
Komm und zieh mich raus hier
Ich gib alles dafür her
Ich hab Fernweh
Ich will zurück
Entfern mich immer weiter
Mit jedem Augenblick

Komm und hilf mir fliegen
Leih mir deine Flügel
Ich tausch sie gegen die Welt
Gegen alles, was mich hält
Ich tausch sie heute Nacht
Gegen alles, was ich hab...


Stumme Tränen fallen auf das Blatt Papier.
Ich lege den Kopf auf meine angezogenen Knie, weine und lasse das Blatt fallen.
Ich bekomme einen richtigen Heulkrampf.
Ich will mich wieder gut fühlen. Nicht schuldig.
Warum kann ich die Zeit nicht zurückdrehen?

Endlos lange weine ich hier im Studio.
Bis sich plötzlich Arme um mich legen.
Mir ist egal, wer das ist.
Ich brauche jetzt einfach jemanden an dessen Schulter ich weinen kann.
So lege ich mich in die Arme.
Spüre aber sofort, dass es mein Bruder ist, der mich hier tröstet...
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