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Am nächsten Morgen werde ich durch ein Streicheln geweckt.

Ich knurre leise, weil ich weiter schlafen möchte.

Dann spüre ich heißen Atem an meinem Ohr.

Und Toms leise Stimme.

 

„Aufstehen. Ich hab uns Frühstück gemacht.“

 

Ich blinzle und öffne die Augen.

Sehe genau in Toms glückliches Gesicht.

Glücklich?

Ist er glücklich?

Obwohl ich ihn verletzt habe?!

 

„Guck, sogar Frühstück im Bett“, kichert er und stellt das Tablett vor meine Nase.

Ich grinse. Da hat er sich ja echt Mühe gegeben. Frischer Orangensaft, Brötchen, Croissants, Nutella und Marmelade und… eine Rose. Mit weiten Augen sehe ich Tom an, aber dieser lächelt nur. Greift nach der Rose und hält sie mir hin.

„Für dich…“, nuschelt er.

 

Mein Herz klopft mit einem Mal so schnell. Und es zieht in meiner Magengegend.

Ich nehme sie an.

Weiß aber nicht, was ich sagen soll.

 

Gestern Nacht, da ist mir ja klar geworden, dass ich… Tom auch nah sein möchte. Näher vielleicht als sonst… Aber… das können wir einfach nicht machen.

 

Ich setze mich aufrecht hin und Tom setzt sich mir gegenüber.

Dann nimmt er ein Stückchen von einem Croissant und tunkt dieses in Marmelade.

Tom setzt ein Lächeln auf und hält mir das Essbare vor den Mund.

„Iss!“, meint er.

Vorsichtig schiebe ich meine Lippen vor um das Stück Croissant für mich zu beanspruchen. Ich knabbere daran. Esse es Stück für Stück auf. Danach lecke ich mit meiner Zunge über meinen Mund.

 

Dann schiebt Tom das Tablett zwischen uns und wir essen gemütlich. Sagen jedoch nichts. Aber die Stille ist nicht unangenehm. Ich trinke gerade mein Glas Orangensaft, als Tom es mir aus der Hand nimmt, es abstellt und mich ansieht. Er sieht mich einfach an. Und es beginnt irgendwo zu kribbeln. Tom beugt sich vor und legt seine Lippen sanft auf meine.

Ich erwidere sofort.

Sanft kreisen unsere Zungen um die jeweils andere.

Es fühlt sich gut an… aber ich habe immer im Hinterkopf, dass wir so etwas nicht dürfen.

Deswegen löse ich den Kuss auch.

Tom sieht mich fragend an.

Ich schüttel nur den Kopf.

Schaue auf die Decke und nehme sie zwischen meine Hände und knete vorsichtig.

 

Tom schiebt das Tablett wieder beiseite.

Legt seinen Kopf auf meinen Schoß und sieht mich von unter her an.

Seine Hände fahren sanft über meine Wangen.

Tränen schießen mir in die Augen.

Und die ersten tropfen auf Toms Gesicht unter mir.

 

Mein Bruder richtet sich auf und schließt mich in seine Arme.

Streicht mir beruhigend über den Rücken.

Wiegt mich hin und her. Und sagt immer wieder, dass ich alles für ihn bin.

 

Es klopft an der Tür.

Ich presse meinen Kopf gegen Toms Brust und er ruft ein „Herein!“.

David steckt den Kopf durch die Tür.

„Ah, Bill. Ich hab dich gesucht. Ich hab deinen Songtext im Studio gefunden. Hast du schon ne Melodie. Der Text ist echt unglaublich!“

In mir steigt Wut hoch.

Das kann doch nicht sein, dass er wirklich den persönlichsten Text von mir verarbeiten will… Aufnehmen, auf eine Cd packen und jeder hört, wie schlecht es mir geht?!

„Nein. Der wird nicht aufgenommen.“

„Was? Wieso das denn nicht? Der würde voll reinhauen. Du bist einfach ein Genie.“

Und wenn ich keins sein will?

Wenn ich einfach nur meine Ruhe haben will?!

„David, vielleicht solltest du lieber gehen. Bill und ich… haben gerade etwas Wichtiges zu besprechen und das mit dem Song könnt ihr auch später klären…“

„Oh, okay.“

Dann schließt sich die Tür wieder.

Und ich drücke mich fester an Tom, der seine Arme um mich legt und mich festhält.

 

„Ssscht, nicht weinen, Billi.“

„Tom…“

„Du musst das nicht machen… aber…“

„Hm?“, hebe ich den Kopf und sehe Tom an.

Dieser streicht mir über die Wangen um die Tränen weg zu wischen.

„Naja, vielleicht hilft es dir ja. Ich mein, du schreibst die Texte ja nicht umsonst… und… wenn du sie singst… ich mein, das hat dir ja immer geholfen und…“

„Ich probier’s.“

Tom lächelt.

Ich beuge mich vor und hauche ihm einen Kuss auf die Lippen.

Vielleicht ist das einfach eine Art ‚danke’ zu sagen.

Vielleicht ist das… eine gute Art Tom zu zeigen, dass er mir wichtig ist.

Vielleicht.

 

Tom lässt sich nach hinten fallen und zieht mich mit.

Ich liege auf ihm und kuschel mich an seine Brust.

 

„Vielleicht… sollten wir einfach Urlaub nehmen.“

 

Ich antworte darauf nicht.

Alles in mir schreit ‚Ja!’.

Aber Bill von Tokio Hotel schreit ‚Nein!’.

 

Tom streichelt meinen Oberarm.

Und ich spüre seinen Blick auf mir ruhen, deswegen schau ich zu ihm hoch.

 

„Bill, ich… also, hör mir kurz zu, ja?!“

Ich nicke und spüre meinen Pulsschlag extrem.

„Ich weiß, dass das nicht leicht für dich ist. Du weißt, dass ich mehr für dich empfinde, als ich eigentlich sollte und na ja… ich weiß immer noch nicht, woran ich bei dir bin. Also… ob du so fühlst wie ich. Weil… du mir das nie so gesagt hast. Und… Gott…“

Er macht eine Pause und streicht mit seiner Hand über seine Augen und lässt diese geschlossen.

„Dir geht’s ja schlecht, also… ich merk das ja. Dir wird das ja im Moment alles so.. zu viel. Und vielleicht sollten wir Urlaub machen, weil… wenn du nicht so n Stress hast, vielleicht also… weißt du ja dann, ob du so fühlst wie ich… Weißt du, was ich sagen will?!“

Ich rutsche auf Tom höher und sehe ihn an. Dann öffnet er seine Augen.

„Du meinst, weil ich so damit beschäftigt bin… also, dass ich eigentlich am Ende meiner Kräfte bin was Tokio Hotel angeht, dass ich dadurch nicht merke, dass ich dich eigentlich genauso liebe wie du mich?“

Vorsichtig nickt Tom.

„Und… wenn wir Urlaub haben, dass ich mich endlich entspanne und mich fallen lassen kann… dass ich merke, dass Liebe… also dann unsere Liebe wichtiger ist als irgendwelche moralische Sachen?!“

Wieder nickt Tom und presst Lippen und Augen zusammen.

Hat Angst, was ich jetzt dazu sagen würde.

 

Ich schließe meine Augen.

Und merke, dass Tom Recht haben könnte…

 

Die Berührungen, die Küsse und der… Sex… die haben mir ja etwas bedeutet.

Etwas, was ich nicht deuten kann… Aber vielleicht kann ich das in nächster Zeit?!

Wenn wir frei kriegen?!

 

Ich öffne meine Augen und gebe Tom einen Kuss auf die Lippen.

Entziehe mich seinen Lippen wieder und lege meinen Kopf wieder auf seine Brust.

 

„Was heißt das jetzt?“, fragt Tom nach einer Zeit.

 

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